11 Mai

Thrilling News: IDPF goes W3C

Zur BEA haben das World Wide Web Consortium (W3C) und das International Digital Publishing Forum (IDPF) ihre Absicht publik gemacht, zukünftig ihre Kräfte in einer Organisation zu bündeln. Díe Schlichtheit der Mitteilung  kann  nicht darüber hinwegtäuschen, dass damit eine neue Ära im Digital Publishing eingeläutet wird.

World Wide Web Consortium (W3C) and International Digital Publishing Forum (IDPF) Explore Plans to Combine

Zwar ist die Entwicklung genauso folgerichtig wie überraschend (so etwas wie ein Verband gibt Eigenständigkeit auf, nur um in der Sache weiterzukommen…) – bedeutet vor allen Dingen aber,  dass in einer zentralen Frage des Marktes Veränderungen anstehen: im Format. Denn langfristig wird es schwer, an EPUB in der bisherigen Form festzuhalten. Das Ziel – gerade für eBooks – muss es sein, sie zu „Native Citizens of the Web“ zu machen. Das bedeutet, sie störungsfrei und fließend in den digitalen Strom der Informationen zu stellen.

Das ist bislang nicht gelungen und wird sicher vom IDPF alleine nicht bewältigt werden können. Schon seit einigen Jahren gibt es daher die Digital Publishing Interest Group („Briding the Web„) unter Federführung des „W3C“ in der sich Ivan Hermann darum verdient gemacht hat, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen und die nun beschlossenen Kooperation vorzubereiten. Und es liegt mittlerweile ein ganzes Bündel an Empfehlungen der Gruppe vor, welche Aufgaben zu erledigen sind, um dieses Ziel zu erreichen. Nur ein Beispiel sind die viel diskutierten „Annotations“ in eBooks. Eine plattformübergreifende, offene Lösung drängt und Umsetzungsvorschläge liegen auf dem Tisch.

eBooks allerdings sind nicht alleiniges Hoheitsgebiet der Verlage. Auch die Industrie hat – bspw. in der technischen Dokumentation – ein sehr großes Interesse an nachhaltigen Lösungen beim Packen und Versionieren von Inhalten. Und die die Verlage irren, falls sie glauben, dass Ihre Interessen bei der Erarbeitung der Vorschläge aus welchem Grunde auch immer automatisch beachtet werden. Sie sind vielmehr aufgerufen sich einzubringen und „ihren Markt“ bestmöglich und mit Sachkompetenz zu vertreten.

Denn egal wie konkret die Lösungen in Zukunft aussehen. Sie werden sicher weiter in Richtung „Books in Browsers“. So wird die alte – und leider bislang sehr schwadronierende –  Diskussion um das Wesen des eBooks neu entflammt und die Frage aufgeworfen werden, wie Verlage ihre mühsam erarbeiteten Anteile am digitalen Markt erhalten können.

Es ist jetzt gerade ein Jahr her, dass Steffen und ich anlässlich des 20 jährigen Bestehens des europäischen Büros des W3C in Paris waren, um auszuloten, wie der Arbeitskreis Elektronische Publizieren enger mit dem W3C kooperieren kann. Die Vorzeichen standen gut – leider konnten wir innerhalb des Börsenvereins nicht die nötige Unterstützung mobiliseren, um die Pläne zu konkretisieren.

Umso mehr ist zu begrüßen, dass es auf entscheidender Ebene nun einen Schritt weiter in die richtige Richtung geht. Aber liebe Verleger, kommt in die Hufen, sonst Fährt der Zug auf zu Eurem Kernmarkt an einem anderen Gleis ab.