22 Jun

Thanks…

Es gibt den Zeitpunkt, an dem aus einem Datum ein Tag wird. Jetzt ist so einer. Lange war der 22. Juni nur ein Datum. Ein Datum, das sich zufällig in irgendeinem Telefonat, an irgendeinem Mittwoch Morgen – wahrscheinlich zwischen 8:30 und 9:30 – materialisiert hat. Mit dem wir gespielt haben in den Köpfen, gedreht, gewendet – und letztlich mit harten Bandagen gekämpft. Ja, es sind die Fetzen geflogen, für den 22. Juni, für Berlin und für die Kalkscheune. Klingt verrückt, oder? War aber so.

Und als wir so im Sturm standen, bei schwerer See an Deck die Idee festhielten, war uns noch nicht klar, dass genau in dem Moment, in dem aus einem Datum ein Tag werden würde,  Steuerfrauen und Männer im sicheren Hafen von Bord gehen würden. Daran denke ich auf dem Weg nach Berlin zur #akep16.

Leben ist, was passiert, während man etwas anderes plant.

Obwohl – gesagt hat er es schon, der Jürgen. Aber vorstellbar? Niemand hat darüber Buch geführt, aber wahrscheinlich war er der am längsten aktive Sprecher des AKEP – und ich höre ihn grinsend zwischenrufen „Stellvertretende Sprecher“. Er war schon da, bevor ich das Hauptamt übernommen hatte. Einer aus dem alten Sprecherkreis, einer von dem ich mich fragte, wie er eigentlich da hinein getrudelt ist. Und einer der wenigen, der geblieben ist, als der akep zum offenen, transparenten Arbeitskreis geworden ist, der er heute noch ist. Einer der Veränderungen stets als Chance begreift und konstruktiv mit begleitet.

Während das hessische Outback am Zugfenster vorbeizieht, sitze ich wieder im Literaturhaus in München, versuche herauszubekommen, was das für einer ist der Jürgen. Und Jahre später bei uns im Garten zusammen mit Steffen zur Klausurtagung. Das vielleicht schönste Meeting, das wir je hatten. Und die erste Digital Night in Frankfurt. Ein Jürgen, der freudestrahlend auf mich zugerast kommt, um mir – wahrscheinlich meinte er eher uns – zum dem Event zu gratulieren. Und mir genau in diesem Moment klar machte, was für ein Risiko wir eingegangen waren und was für einen unvergesslichen Abend wir damit gezaubert hatten (Das Defizit in der Kasse warf nur einen kleinen Schatten auf das Geschaffte…).

Vor allem aber war Jürgen für den akep immer eines: Ideengeber und Trüffelschwein. Es ist unfassbar, wie zielsicher er immer genau ein Jahr im Voraus vorhersagen konnte, welches Thema zur Jahrestagung gerade aktuell sein würde. Auch wenn seine Ideen auf den ersten Blick manchmal verrückt oder doch etwas wagemutig erscheinen mochten. Er traf immer ins Schwarze. Ich gewöhnte mir ab, eine Idee aus seiner Richtung abwegig zu finden und lag damit immer richtig. Die Stärke des Programms der Tagungen begann dabei immer mit einem Google-Doc in dem wild Links, Überschriften und Fragen zusammengetragen waren. Das Dokument erreichte die Sprecher pünktlich zur Themenfindungs-Sitzung und kam immer von ihm. Eigentlich hätte man einfach alle verlinkten Personen einladen und sprechen lassen können – aber gut, man wollte ja auch noch diskutieren.

Als das Dokument zur ersten Planungssitzung nur zögerlich erschien, machte ich mir Sorgen. Wie ich heute weiß, zu Recht.

Neben der Ideenfindung ist seine zweite Stärke übrigens seine Beharrlichkeit. Eine seiner Impulse war „Die Lange nach des eBooks“ – ein schwieriges Format, das er beharrlich zur Umsetzung trieb und lange dran geblieben ist. Wir beide wissen, dass es funktioniert, aber irgendwas müssen wir bei der Umsetzung etwas falsch gemacht haben…

Als Steffen seinen Sprecherposten räumen musste, war Jürgen es auch, der im kalten zugigen Hinterof des Impact-Hubs zum ersten Münchener eBookCamp sofort an Beate dachte und die Nachfolgeregelung organisierte. Die München-Connection.

Beate, die mit ihrer ruhigen, freundlichen, bestimmt-verbindlichen Art, dem akep eine Leichtigkeit verpasste, die uns gut tat und der man nicht anmerkte, wie schwer es ihr gefallen sein muss, sich in dem eingefahrenen akep-Maschinenraum einzumischen ohne gleich den ganzen Motor zu zerlegen 😉

Beate konnte jede, aber wirklich jede ausufernde Diskussion – und daran fanden wir alle Gefallen – mit dem Satz „zahlt es auf uns ein?“ zur Entscheidungsfindung ZWINGEN. Ein Satz, der sich so tief eingebrannt hat, dass ich bis heute keinen Beschluss mehr fasse, ohne ihn eindeutig beantwortet zu haben. Was uns über das Digitale hinaus übrigens verband, war die Leidenschaft für gutes Essen und den passenden Tropfen dazu. Durch sie kenne ich die wirklich lohnenswerten Lokale in Berlin und München.

Beate ist es zu verdanken, dass der akep heute ein ganz Stückchen näher an den Verband gerückt ist, als er das zuvor sein konnte.n. Daher ist es doppelt schade, dass sie als Sprecherin nicht mehr zur Verfügung steht.

Aber was der Verband so will, ist aus meiner heutigen Sicht ja sowieso die Frage. Und wir haben das ein oder andere mal darüber diskutiert warum die Wertschätzung gegenüber der Leistung des Ehrenamts auf einer Ebene wie sie für den akep nötig ist so gering ist. Es ist müßig. Umso dankbarer bin ich, dass die Sprecher immer bereit waren sich über dieses Missverhältnis hinwegzusetzen

Ihr habt gezeigt, dass der  Verband im Kern von seinen Mitgliedern lebt und nicht von kleinen Königen in kurzen Hosen. Ich setze darauf, dass sich diese Erkenntnis irgendwann durchsetzt und dann Jürgen, klappt es vielleicht doch noch mit der Ehrennadel.